Alternative Medien Artikel für Forum

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Jedem seine Alternative

Alternative Medien - was sie sind und sein wollen

Alternativ kann vieles sein, vom Essen bis zu den Medien gibt es für alles eine Alternative. Irgendwie beruhigend, doch was heisst dieses Wort, was drückt es aus? Meist wird es im Gegensatz zum "Mainstream" und dem "Herrschenden" benutzt. Das kann politisch sowohl ganz rechts als auch ganz links sein. Wenn der Presseattaché des ADR im "Land" des 25. Mai 2007 den Jugendlichen, die anlässlich des Jugendkonvents in der Chamber die Luxemburger Medien kritisierten, recht gibt, heisst das nicht dass Beide das Gleiche meinen. Die Grundkritik ist die Gleiche: die Medien in Luxemburg und weltweit werden von der herrschenden Politik und Wirtschaft beeinflusst, teilweise bis zur "Gleichschaltung". Aus dieser Kritik heraus sind auch alternative Medien entstanden. Die erwähnte Partei betitelt sich nach ihrer Namensänderung selbst "alternativ". Ist ihre Publikation, der "Pefferkär", also eine alternative Zeitung?

Wenn das, was minoritär und nicht dem Mainstream entspricht, das ist was "alternativ" ist, dann ist der ADR und seine Publikation sicherlich alternativ. Doch die Initiativen und Medien die den Begriff der "alternativen Medien" geprägt haben charakterisieren sich durch vielmehr als nur durch den Fakt, dass sie minoritäre Gruppen am Rande sind. Alternative Medien sind meist Hand in Hand mit sozialen Bewegungen entstanden. Und diese Bewegungen hatten politische, soziale und kulturelle Anliegen - nicht aber rein parteipolitische und elektorale Motivationen.

Kriterien für ein "alternativ"-Label?

Es gibt kein Manifest das bestimmt was "alternative Medien" sind und ein Text könnte der Vielfalt an alternativen Medien die es mittlerweile weltweit gibt auch niemals 100% gerecht werden. Für die einen reicht es unabhängig von der staatlichen Finanzhilfe zu sein, andere wollen sich wiederum nicht von kommerzieller Werbung abhängig machen und zählen es zur Rolle des Staates für die Pluralität der Presse zu sorgen. Wenn es um den Inhalt geht wird vor allem kritisiert, dass die meisten Zeitungen, Fernsehsender und Radios nur das Gleiche von den gleichen Nachrichtenagenturen verschiedenartig verbreiten. Letztere sind wiederrum von den gleichen Konzernen abhängig.

Welche Kriterien sollen angewendet werden um von "alternativ" zu sprechen? Sollen wir ein Label dafür einrichten damit es nicht missbraucht werden kann? Eben nicht! Alternative Medien sollen Teile von emanzipatorischen Prozessen sein und nicht durch Labels und Kontrollsysteme den Menschen die Verantwortung wegnehmen selbst kritisch zu sein. Selbst kritisch sein, überlegen, handeln, schreiben, reden und somit aktiv zur Gestaltung der Gesellschaft beitragen ist das, was alternative Medien wollen. Da hilft uns auch ein anderes Wort, zum Beispiel "unabhängig" (independent), nicht aus der Patsche der vaguen Begriffe. Was hilft ist sich Leitlinien zu geben, nicht um puristische Prinzipien festzulegen, sondern um sich mit dem auseinanderzusetzen was mensch eigentlich will und was die eigentlichen Grundsätze und Ziele sind.

Alternative Medien wollen nicht eine Partei an die Macht bringen, den eigenen Profit maximieren oder Leserschaften verkaufen sondern sehen sich als Teil eines emanzipatorischen Projektes und verpflichten sich somit dem Prozess Medien und soziale Praxis anders zu gestalten als nur für sein eigenes Überleben zu sorgen.

Daraus ergeben sich verschiedene Felder in denen ein alternatives Medium an sich selbst arbeiten kann.

Reflektionsfelder und Leitlinien für "Alternative Medien"

-Organisationsform:

Wer bestimmt was das Medium macht und was nicht? Was geschrieben wird und was nicht? Wie und wo es sein Geld herkriegt, die Verteilung organisiert, etc.? Ist diese Struktur offen für jeden? Offen für alle die sich auf gemeinsame Grundsätze einigen? Welche formellen und informelen Hierarchien bestehen in dieser Struktur und werden diese thematisiert?

-Mitarbeiter:

Beruht das Medium auf hauptamtliche oder ehrenamtliche Arbeit? Oder gemischt? Wie funktionniert die Zusammenarbeit? Gibt es gleiche Arbeitsbedingungen für jeden? Wenn es Unterschiede gibt, auf welchen Kriterien beruhen diese? Welche Rolle spielen (in)formelle Machtpositionen?

-Finanzierung:

Wie finanziert sich das Medium? Wie abhängig macht es sich dabei von einer Einnahmequelle? Welche Interessen haben diese Geldquellen? Inwieweit sind diese kommerziell, staatlich und/oder parteilich gebunden? Wieviel und welchen Einfluss üben die Geldquellen auf das Medium aus?

In allen organisatorischen und strukturellen Fragen sollen typische Hierarchien und Machtpositionen soweit wie möglich reduziert werden. Entscheidungsprozesse sollen für alle Beteiligten gleichberechtigt und basisdemokratisch sein. Dazu sollen alle Informationen zugänglich sein, sowie Zeit und Vertrauen da sein um über verschiedene Meinungen zu reden und die herrschende Praxis gegebenfalls zu ändern. Diskriminierung anhand von sozialer Klasse, Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Behinderung sollen soweit wie möglich abgeschafft werden und zu diesem Zweck systematisch thematisiert werden.

Eine wichtige Frage ist ausserdem welche Stellung und Beziehung das Medium einnimmt und einnehmen will. Dies inbesondere in Bezug auf seine Leser/Hörerschaft und andere Medien. Neben den internen Akteuren (Mitarbeiter, Aktive,...) sollten diese trotz ihrer externeren Stellung als Mitakteure betrachtet werden. Desto weniger ein Medium nur auf ein passives Publikum zielt, welches das eigene Produkt konsumiert, desto mehr wird es ein gemeinsames Instrument von Demokratie und gesellschaftlicher Veränderung. Das Gleiche gilt für andere alternative Medien die neben dem eigenen Medium existieren oder entstehen. Sie sind nicht Konkurrenten am Medienmarkt sondern Mitakteure für demokratische Auseinandersetzung und der Beteiligung von möglichst vielen Menschen in diesem Prozess.

All dies sind keine starren Kriterien sondern eher wichtige Fragestellungen und Ideale welche in der Auseinandersetzung mit "alternativen Medien" zur Orientierung dienen.

Alternative Medien in Luxemburg?

Welche Medien in Luxemburg jetzt als "alternativ" betitelt werden können bleibt dem Lesenden überlassen. Im Folgenden zähle ich die auf, die meiner Meinung nach (nicht) in Betracht kommen und gehe auf interessante sowie kritische Aspekte ein.

medialuxembourg.jpg Illustration aus dem Artikel über Alternative Medien des "youngbrights" Blogs. EIn Beispiel dafür dass jeder so seine eigene Einteilung macht.

Indymedia.lu

Diese Internetplattform wurde im November 2006 gegründet und ist Teil eines weltweiten Netzwerkes welches sich während den Protesten gegen die WTO 1999 in Seattle aufgebaut hat. Weltweit hat Indymedia sehr viel erreicht und sich anlässlich verschiedener Krisen auch in der breiten Bevölkerung verbreitet (z.B. während der Wirtschaftskrise in Argentinien). Trotz der Unabhängigkeit jedes einzelnen Indymedia-Kollektivs (welche sich Land, Stadt oder Thema gründen) gibt es eine gemeinsame Basis um Teil des Netzwerks zu sein. Der luxemburgische Ableger von Indymedia ist gerade dabei den Prozess zu durchlaufen um volles Mitglied des Netzwerks zu werden. In verschiedenen Dokumenten soll das Kollektiv seine Motivation und Prinzipien verfassen. Diese werden dann an alle bestehenden Indymedia-Kollektive geschickt. Diese können sich dazu äussern und gegebenfalls Änderungen fragen und sich gegen die Aufnahme eines Indymedia-Kollektivs aussprechen. Ein Basisprinzip ist das "Open Publishing". Jedem soll ermöglicht sein auf Indymedia Homepagen seine eigenen Artikel zu veröffentlichen. Die Gruppe welche die Seite verwaltet kann keine Text von der Seite nehmen. Wenn ein Artikel jedoch gegen die Grundprinzipien verstösst kann dieser in den Mülleimer versetzt werden. Auch das Indymedia-Kollektiv selbst ist offen und jeder kann innerhalb von Indymedia mitarbeiten. Zu diesem Zweck werden die Versammlungen auf Indymedia.lu angekündigt und die Berichte publiziert. Indymedia ist weltweit und lokal komplett unabhängig von staatlichen Geldern und Sponsoring.

Queesch

Die Queesch ist vor 5 Jahren als eine offene Plattform für soziale, kulturelle und politische Themen entstanden. Zusätzlich zur Zeitschrift ist nach ein paar Jahren auch eine CD als Medium dazugekommen. Dieses Format ermöglicht es auch andere Ausdrucksmöglichkeiten als Text zu veröffentlichen. Die Queesch organisiert sich ähnlich wie Indymedia: Das Publizieren von Artikeln ist jedem möglich, nur verschiedene Grundprinzipien müssen eingehalten werden (keine Diskrimination gegen Lebewesen). Auch die Struktur und Organisation der Queesch ist offen und jede Person kann sich beteiligen und mitbestimmen was die Queesch ist und sein soll. Die Unabhängigkeit der Queesch stösst jedoch bei der Finanzierung und der Verteilung auf Grenzen. 30% der Gelder kommen vom Staat (Kulturministerium, Fonds Culturel, Service Media et Communication, Familienministerium) und verschiedene Projekte werden vom EU-Jugendprogramm finanziert und/oder dem Service National de la Jeunesse. Ein geringer Teil der Einnahmen kommen aus privater Hand. Die SACEM und verschiedene Sponsoren tragen zur Finanzierung bei. Da die Queesch aber nicht alle Sponsoren kompromisslos akzeptiert, sondern ethische und ökologische Kriterien anwendet, ist der Anteil an Sponsoring sehr gering. Der Verkauf und die Abonennten decken den zweiten grossen Teil der Finanzierung. Bei der Verteilung hat sich die Queesch ebenfalls den harten Realitäten gebeugt und lässt seit 2005 einen Teil der Exemplare über die MPK verteilen. Damit akzeptiert die Queesch, dass sie wie jede andere Zeitschrift zu einem profitmaximierendem Produkt wird, mit Barcode versehen erbringt jedes verkaufte Exemplar der MPK 50% des Verkaufpreises ein und jedes unverkaufte Exemplar wird dem Mülleimer zugeführt.

Forum

Die Gründungsmotive des Forum waren wohl typisch für eine alternative Zeitschrift: dem Wort, der meistgelesenen Zeitung des Landes, ein kritisches und fundierstes Gegenpart setzen, und dies auch noch, sagen wir mal, der gleichen Ecke. Sicherlich hat sich das Forum jetzt institutionalisiert und bekommt staatliche Gelder. Doch es hat sich noch nicht so professionalisiert und "zugemacht" wie andere Institutionen aus der Zeit. Die Struktur ist noch immer offen und die Autoren wechseln.

Studenten- und Schülerzeitungen & co

Schülerzeitungen, -radio und Fernseh sind wichtige und interessante Medien. Hier können Jugendliche ihren Meinungen mit einer gewissen "Narrenfreiheit" Ausdruck geben. In Institutionen wie einer Schule oder Uni finden sich auch oft Gruppen zusammen, welche ein solches Projekt starten. Es ist nicht ein Job sondern sie machen es ehrenamtlich neben den Studien, aus Interesse und zur eigenen sowie gesellchaftlichen Meinungsbildung. Wichtig ist es jedoch zwischen "Schülerzeitung" und "Schulzeitung" zu unterscheiden. Medien die Teil der Institution sind beschränken den freien (Ausdrucks)Spielraum. Im Escher LGE wird zum Beispiel seit ein paar Jahren in Zusammenarbeit mit dem Tageblatt auch eine Schulzeitung raus, das LGEnious, doch gab es da schon genug Fälle von Einschränkung durch das Lehrpersonal und die Direktion. Demgegebüber sind in denselben Jahren mindestens 2 unabhängigere Schülerzeitungen entstanden. Die "Lepers Bell" und der Mausi Oberserver. Letzterer hatte es einige Ausgaben länger ausgehalten und erlangte sogar landesweite Berühmtheit. Im gleichen Lyzeum gibt es auch das Fernsehprojekt "Uelzechtkanal" und die Radiooption Graffiti (jeden Donnerstag auf Radio ARA). Das Beispiel dieser Schule zeigt die Vielzahl an Initiativen in den Schulen, jedoch gilt es immer kritisch zu seine gegenüber der Art und Weise wie diese Projekte geführt werden und wieweit die SchülerInnen der Zensur des Lehrpersonals unterliegen. Unabhängig von einer staatlichen Institution sei noch der "Outsider" erwähnt. Die luxemburgische Schüler- und Studentenorganisation UNEL veröffentlicht diesen seit 2 Jahren als E-mail Zeitung. Solange war das Projekt auch komplett unabhängig (ausser von der Organisation). Um auch eine Papierversion herauszubringen hat die UNEL jetzt auch auf Gelder der EU zurückgegriffen.

Salzinsel

Die Salzinsel ist eine Zeitschrift die von KünsterInnen ehrenamtlich geschrieben, gemacht und verkauft wird. In der Kunstszene ist diese Publikation sicherlich eine Plattform für weniger institutionalisierte Kunst. Kritisch aus dem Blickwinkel der alternativen Medien ist das Sponsoring von z.B. Autoherstellern und das unkritische Publizieren von visueller Werbung in einer solchen Zeitschrift. In Kanada gibt es in dem Bereich eine sehr interessante Publikation. Adbusters setzt sich stark damit auseinander, dass die Kreativität von KünstlerInnen und GraphikerInnen zum Verkauf von Produkten benutzt wird.

WOXX

Besonders interessant an der WOXX ist wohl ihre Organisationsform. Als einziges Medium organisiert sich die WOXX als Kooperative welche es allen Menschen ermöglicht sich an ihrer Finanzierung und Gestaltung zu beteiligen. Ausserdem ist die alltägliche Organisationsform der WOXX nach basisdemokratischen und hierarchiekritischen Leitlinien organisiert. Anstatt eines Chefredakteurs wird die Koordination jede Woche von einer anderen MitarbeiterIn übernommen. Die staatliche Pressehilfe, ohne die, die WOXX schwer überleben würde, ist jedoch eine gewichtige Schranke ihrer Unabhängigkeit.

Radio ARA

Das Radio ARA ist das einzige freie und unabhängige Radio in Luxemburg. Leider hat es vor einigen Jahren einen Teil seiner Sendezeit an einen kommerzielles Radio verkauft, jedoch hat der ARA es trotz vieler Schwierigkeiten geschafft zu überleben und zahlreichen Menschen und Initiativen eine Radioplattform zu bieten. "D'Prisongssendung" oder in der Musikszene die Sendungen "Bloe Baaschtert" und "Den Daiwel steet virun da Diir" haben mittlerweile eine Stammhörerschaft. Seit ein paar Jahren wurden auch sehr viele Anstrengungen unternommen um das Jugendradio, Graffiti, weiterzuentwickeln.

.dok-den oppenen Kanal

Lange Zeit war das Fernsehen unerreichbar für unkommerzielle Medieninitiativen. Noch immer ist es nicht umsonst doch durch den offenen Kanal ist es wenigstens schon mal möglich Sendungen auszustrahlen ohne gleich einen eigenen Fernsehsender aufzubauen. Ähnlich wie beim Radio ARA stellt sich das Problem des laufenden Programmes. Fernsehen und Radio wird nicht nach dem Programm konsumiert sondern einfach eingeschaltet wenn Mensch gerade Lust hat. Wie gross das Publikum also ist bleibt fraglich. Vor allem verschärft sich diese Frage im Fall vom offenen Kanal dadurch, dass sehr viel Sendezeit von Politikern und der Boulevardpresse benutzt wird

Lifestyle und Nightlife Bereich à la Nico, Upfront,...

Diese Zeitungen nutzen meiner Meinung nach den alternativen Look und Style für ihre selbsterhaltenden komerziellen Zwecke ohne ein "alternatives Projekt" zu verfolgen. Werden da nicht kompromisslos alle Werbungen angenommen und das ganze Medium an die Interessen der Geldgeber angepasst oder besser gesagt "designt". Die Interessen der Konsumenten spielen nur eine Rolle insofern sie als treue Kunden gewonnen werden und somit als Leserschaft an Werbeagenturen verkauft werden können.

"Investigateur" und "Privat"

Diese beide Publikationen samt ihrere Bücher und Fernsehsendungen gehören wohl eher in die Kategorie "Boulevardpresse" denn "alternative Medien". Die Pseudoaufklärung ist im Endeffekt das Gegenteil von dem was es als Anschein vorgibt. Das erklärt auch warum die Publikationen NOCH ohne Pressehilfe funktionnieren.

Internet: Websites, Blogs, Foren

Das Internet und später das Web 2.0 machen es mittlerweile kinderleicht ein eigenes Medium aufzubauen. Der Zugang zu einer grossen Leserschaft wird immer einfacher, auch für Einzelpersonen und kleine Gruppen. Das wichtigste Beispiel hierfür sind die "Blogs". Ein Blog ist eine Internetseite auf welcher meist eine Einzelperson in regelmässigen Abständen eigene Texte, Photos, Videos oder Tondateien veröffentlicht. Der Inhalt reicht von Alltagsberichten über poetische Schriften bis hin zu politischen Texten. Dieses Thema würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und würde mindestens einen ganzen Artikel beanspruchen, doch es ist wichtig festzustellen, dass das Internet ein Medium ist mit ganz neuen Möglichkeiten. Jede Einzelperson und jede Organisation verfügt über einfachste Möglichkeiten um seine Informationen und Meinungen durch die ganze Welt zu verbreiten. Das kann Pitti von nebenan oder der zukünftig Präsident Frankreichs sein, der Zugang steht fast jedem zu. Ich kenne mich in Blogs nicht besonders aus, doch kann ich hier zwei angeben welche ich kenne und ich bin mir sicher die Blogger werden viel mehr über Blogs wissen als ich :) www.joeladami.net und http://youngbrights.blogspot.com/ Als eine interessante Initiative auf dem Internet sei auch Sokrates.lu erwähnt. Hier werden Artikel aus bestehenden Medien aus ganz Europa verlinkt und von den Sokrates Leuten für den Lesenden aus der Masse vorgefiltert. Auch hier kann sich jede Person als User registrieren und anfragen eigene Artikel zu publizieren. Die Studenten bieten auf dieser Seite auch ein Forum an auf welchem intensiv diskutiert wird. Die Artikel stehem somit nicht einfach so im leeren Raum sondern werden auch debattiert.

Digitale Medien vs. Papier

Mit all den Möglichkeiten die das Internet und andere digitale Medien bieten stellt sich die berechtigte Frage warum die Queesch oder andere alternative Medien noch auf Papier gedruckt werden. Um dieser Frage nachzugehen bleibe ich bei dem Beispiel Queesch und versuche die interne Diskussion zu diesem Thema wiederzugeben.

Die Argumente die gegen eine gedruckte Queesch sprechen sind einfach und klar: weniger Kosten, weniger Aufwand, weniger Papier(verschwendung). Die papierfreien Möglichkeiten liegen auch nahe, dabei waren hauptsächlich zwei verschiedene im Gespräch:

1. Anstatt einer Zeitschrift mit CD könnte die Queesch eine Zeitschrift auf CD werden. Jetzt schon werden ältere Ausgaben als PDF auf verschiedenen CD's abgedruckt. Warum nicht? Der Druck der CD's ist wesentlich billiger als die Zeitschrift.

2. Internet. Hier gibt es dann die E-Mail Newsletter Variante (à la Goosch.lu und Outsider) oder die Website Variante (à la Inymedia.lu, Sokrates.lu,....) Hier sind die Kosten noch geringer und der Aufwand zur Verteilung verringert sich auch wesentlich.

Die Argumente für die Papierversion sind dagegen nicht immer so pragmatisch:

Konkret vs. virtuell:

Immer mehr in unserem modernen Leben wird virtuell, sogar ein zweites Leben kannst du mittlerweile virtuell leben. Die Menschen in und um die Queesch wollen jedoch eine Welt die von den Menschen gestaltet wird, in möglichst direktem und gleichberechtigtem Kontakt. Eine Welt in der sich Menschen gegenüber sind und nicht Computer die Zwischenstation darstellen und der Mensch sich dadurch immer mehr entfremdet. Im Sinne des "der Weg ist das Ziel" wollen wir also auch die Queesch an sich als Kreation anfassbar machen.

Beziehung:

Damit einher geht auch die Frage der Beziehung und des Kontaktes. Durch die Publikation auf dem Internet geht die Beziehung zur Leserschaft noch mehr verloren. Wer sind diese Menschen die deine Artikel lesen, was sind ihre Reaktionen? Wie erreichst du sie? Durch unfreiwilliges zusenden von Mails oder dadurch, dass du sie auf einem Infostand ansprichst? Wie aktiv sind die Lesenden wenn sie einfach die Zeitung in die Mailbox bekommen? Ist die Handlung um sich die Zeitschrift zu besorgen nicht ein wichtiger Schritt der mehr oder weniger bewusst geschieht und eine Mindestteilnahme am Medium fordert?

Verteilung:

Und doch erlaubt eine Publikation auf Papier es diese zu verteilen, in Bibliotheken, Jugendhäusern, Schulen, Infoständen, etc. Also auch da wo niemand es bewusst suchen würde. Und trotzdem bleibt es eine Entscheidung ob du dir diese Publikation dann nimmst/kaufst oer nicht. Die initiale Idee der Queesch war es Aktionen und Gedanken von sozial, kulturell und politisch aktiven Menschen nach aussen zu bringen und zu verteilen. Ein Printmedium ist dafür für uns am meisten angepasst.

Kreation:

Die Queesch ist nicht nur eine Zeitschrift mit Artikel sondern eine Ganzes, nennen wir es mal eine Kreation. Das Layout gehört genauso dazu wie jeder einzelne Artikel und beides wirkt zusammen.

Zugang:

Nicht jede Person hat unbegrenzten Zugang zu Computer und Internet! Und auch wenn immer mehr Menschen diesen Zugang haben/bekommen heisst das noch nicht dass alle mit dieser Technik klarkommen oder sie gern für mehr benutzen als das absolut notwendige Minimum.

Dauer:

Das Internet ist noch schnelllebiger als es die Printmedien schon sind. Vom Feedback von verschiedenen LeserInnen wissen wir, dass ihnen ältere Ausgaben der Queesch manchmal wieder in die Hände fallen und sie dann Artikel interessant finden, welche sie vorher nicht beachtet haben. Dies ist nur möglich dadurch, dass die Queesch gedruckt ist und aufbewahrt werden kann.

Schlussendlich ist ein Aspekt sehr wichtig den ich schwer in eine Kategorie kriege. Wer liest schon gerne lange Texte auf dem Computer? Drucken die Leute sich dann die Texte nicht auch eh aus? Und ist dann nicht angenehmer etwas in der Hand zu haben was komplett und zusammenhängend ist anstatt nur herumfliegende Blätter. Der Vorteil ist sicherlich die Möglichkeit sich nur das auszudrucken was einen wirklich interessiert. Doch ist es nicht auch interessant manchmal etwas zu lesen was nicht à priori in das eigene Interessenfeld gehört? Ohne durchblättern einer ganzen Zeitschrift fällt dieses ungeplante Entdecken weg. Lesen ist auch oft mit reisen verbunden. Sowohl physisch wie mental. Eine Zeitschrift kannst du auf dem Klo und im Zug lesen, auf der Bank im Park oder auf der Bushaltestelle. Und je nach Artikel und der Art den Artikel zu lesen bewegst du dich auch selbst, mental. Von einem Standpunkt zum anderen. Der Computer dagegen hällt dich fest, bindet dich an den Bildschirm den du weder umblättern kannst noch in alle Richtungen drehen kannst wenn du dir in der Wiese liegend eine gemütliche Position suchst.

Dies alles klingt vielleicht auch zu romantisch und nicht dem Zeichen der Zeit angespasst. Es muss ja nicht überzeugen, es ist nur eine Sammlung von Gründen die Queesch weiterhin auf Recyclingpapier zu drucken. Zusätzlich zu diesen Argumenten ist es uns klar, dass alternative Medien auf alle mögliche Medien zurückgreifen sollen. Wir unterstützen Indymedia.lu wo wir können, hätten nichts dagegen auf DOK und auf dem Radio ARA Sendungen auszustrahlen. All dies ist ja auch eine Frage der Möglichkeiten, Prioritäten und der Zeitrelevanz der Informationen/Meinungen. Es lohnt sich nicht verschiedene Informationen in der Queesch zu publizieren, da sie zu schnell nicht mehr aktuell sind. Medien sind komplementär zueinander und sie sollten sich ergänzen.

Diderich Gary

Mitbegründer und Mitarbeiter der Queesch

www.queesch.lu

Quellen und Verweise:

http://en.wikipedia.org/wiki/Alternative_media

Chomsky: What Makes Mainstream Media Mainstream? (http://www.zmag.org/zmag/articles/chomoct97.htm)

Albert: What Makes Alternative Media Alternative? (http://www.zmag.org/whatmakesalti.htm)

Anmerkungen zur Entwicklung alternativer und linker Gegenöffentlichkeit. Update 2.0. (http://www.contrast.org/KG/beweg2.htm)